Leitartikel zum November

Liebe Leserinnen und Leser!

Kurz vor Weihnachten möchte ich den Blick auf die Lebenswirklichkeit der Familie Jesu und auf die sich daraus ergebenden Parallelen zu heute richten. Beginnen möchte ich ganz am Anfang des irdischen Lebens Jesu, denn darauf schauen wir Menschen viel zu selten.

Jesus war ein uneheliches Kind, gezeugt auf menschlich unerklärbare Weise. Seine Mutter hieß Maria, sie war die Tochter von Anna und Joachim und sie war in etwa 15 Jahre alt. Die Eltern Mariens waren strenggläubige Juden, die alle Regeln ihres Glaubens einhielten.

Ganz sicher muss die plötzliche Schwangerschaft ein Problem für Maria gewesen sein, denn wie sollte sie diese ihren Eltern erklären? Und wie ihrem Verlobten Josef?

Zunächst suchte sie die Gesellschaft ihrer Verwandten Elisabeth, die selbst schwanger war und drei Monate nach Marias Ankunft ihr Kind Johannes entbinden durfte.

Nach Hause zurückgekehrt führte die sichtbar werdende Schwangerschaft zum Moment der Entscheidung bezüglich ihrer Verlobung mit Josef: Dieser musste nach menschlicher Logik zum Schluss kommen, betrogen worden zu sein, und er wollte sich von Maria trennen, was sie des Schutzes der Verlobung beraubt und der Verachtung der Gesellschaft preisgegeben hätte. Nur eine Eingebung Gottes veranlasste Josef im letzten Moment, von diesem Vorhaben Abstand zu nehmen und mit Maria zusammenzuleben.

Auch die Geburt Jesu war von großen äußeren Schwierigkeiten überschattet: Hochschwanger musste Maria mit Josef die beschwerliche Reise nach Bethlehem auf sich nehmen, um dem staatlichen Befehl zur Einwohner-Registrierung nachzukommen. Und als das Kind dann kam, gab es nicht mal eine Unterkunft, sondern sie musste zur Geburt in einen Stall ausweichen.

Als hätte das alles noch nicht gereicht, wurde nun das Leben ihres Kindes bedroht: König Herodes wollte, aufgestachelt durch eine Prophezeiung, alle Kleinkinder töten lassen. Die junge Familie, die schon bislang nicht viel Ruhe gehabt hatte, musste nun Hals über Kopf in ein fremdes Land fliehen.

Maria hatte als ganz junge Frau und Mutter also viele Schwierigkeiten zu meistern. Sie musste sehr schnell erwachsen werden und lernen, wie eine Löwin für ihr Kind zu kämpfen.

Zu diesen persönlichen Umständen kam erschwerend hinzu, dass im gesamten Land Kriegszustand herrschte. Die Römer griffen hart durch und verstanden keinen Spaß mit den Juden. Jüdisches Leben war zwar nicht komplett verboten, aber stark eingeschränkt. Juden wurden benutzt, gedemütigt, schikaniert und nicht selten der Willkür preisgegeben.

Andererseits, erlebte das Land am Jordan durch die römischen Besatzer eine rasante Wende, einen Umschwung in eine ganz neue Zeit hinein. Straßenbau, Brückenbau, Bau von Wasserleitungen und Kanalisationen, ein Umdenken in der Landwirtschaft mit ganz neuen Perspektiven, um nur einige Punkte zu nennen. Ein enormer Wandel fand statt, der Ängste und Unsicherheiten hervorbrachte.

In Anbetracht der Lebenswirklichkeit der Familie Jesu ist es schon sehr verblüffend, wie sich diese Zeit von einst mit unserer Gegenwart spiegelt. In wie vielen Ländern herrscht heute Kriegszustand und Vertreibung? Wie viele Menschen sind auf der Flucht? Wie viele Menschen kommen mit dem Wandel der Zeit nicht klar, verfallen dem Rassismus und haben Vorurteile anderen gegenüber? Wie viele Menschen lassen sich durch Verschwörungstheorien verwirren und haben diesbezüglich große Angst vor der Zukunft und dem Wandel der Zeit?

Wie viele Frauen sind ungewollt oder unehelich schwanger und werden alleine gelassen? Und wie viele Mädchen und Frauen werden gar von ihren Eltern, Partnern oder anderen in ihrem Umfeld zu einer Abtreibung genötigt und können im wahrsten Sinne des Wortes nur noch weglaufen?

Unsere Zeit wird auch bestimmt von der Finanzkrise, der Coronakrise, der Digitalisierung und Globalisierung, wir werden überschüttet mit neuen Errungenschaften und Technologien, dürfen unseren Glauben an Gott zwar ausüben, werden aber vielfach belächelt usw. Jeder Wandel macht erst einmal unsicher und ängstlich, das ist ganz normal. Wandel ist in vielerlei Weise auch nötig und von enormer Tragweite für uns, sonst bleiben wir in unserer Entwicklung stehen. Schlimm ist es nur dann, wenn Umbrüche zu schnell vollzogen werden, wenn gar Menschen überrumpelt und deshalb ihrer Chancen beraubt werden, denn genau dann schalten Menschen auf Abwehrhandlungen und Verweigerung um, radikalisieren sich nicht selten und gehen vermehrt auf andere Menschen los. Das sollte vermieden werden!

Schauen wir auf Jesus und seine Mutter Maria, damit es Weihnachten in unseren Herzen werden kann und lassen wir das Jesuskind darin Herberge finden, damit es wachsen und gedeihen und unser Leben begleiten darf.

Der Glaube und die daraus erwachsende Hoffnung, vermischt mit Fleiß und Engagement, machen uns stark dazu, angstfrei und einigermaßen sicher in die Zukunft gehen zu können. Die Umstände der großartigen Geburt von Bethlehem – und die Höhen und Tiefen des Liebespaares Maria und Josef lehren uns, dass die Sache Jesu Begeisterung benötigt.

Frohe und gesegnete Weihnachten!

Diakon Anton Fliegerbauer

Leitartikel zum November

Liebe Leserinnen und Leser!

Es gibt Menschen, die blind bzw. sehbehindert sind. Ebenso gibt es Menschen, die gehörlos bzw. schwerhörig sind. In der Regel haben die meisten Menschen eine Vorstellung davon, was es bedeutet, von einer dieser Behinderungen betroffen zu sein. Es gibt aber auch Menschen, die an beiden Sinnen behindert sind.

An dieser Stelle erscheint es mir wichtig, einer möglichen Verwechslung vorzubeugen. Es geht hier nicht um den veralteten Begriff „taubstumm“, der uns auch in der Bibel begegnet (vgl. Mk 7, 31-37: Jesus heilt einen Taubstummen) und einen gehörlosen Menschen beschreibt.

Was bedeutet es, taubblind bzw. hörsehbehindert zu sein?

Nicht alle Betroffenen sind dabei vollständig taub und blind. Gemeinsam ist ihnen die doppelte Sinnesbehinderung. Sie unterscheiden sich aber in allen anderen Aspekten, so auch im Ausmaß ihres Handicaps.

Wie geht unsere Gesellschaft mit Hörsehbehinderung um?

Während ein Großteil der Gesellschaft gar nicht um die Existenz dieses Personenkreises weiß, fehlt selbst bei entsprechendem Wissen häufig ein Bewusstsein dafür, dass es sich um eine spezifische Behinderung handelt, die ebenso spezifische Begleitung erfordert.

Die Annahme, hier ein angemessenes Angebot schaffen zu können, indem Bereiche der Blinden- und Sehbehindertenpädagogik sowie der Gehörlosenpädagogik zusammengeführt werden, greift schlichtweg zu kurz. Eine kombinierte Sinnesbehinderung darf nie rein additiv gedacht werden, da sie das In-Welt-Sein eines Menschen auf fundamentale Art und Weise verändert. Hörsehbehinderung ist mehr als Sehbehinderung plus Schwerhörigkeit, denn der Ausfall bzw. die Einschränkung des einen Sinnes kann eben nicht oder nur unzureichend durch den jeweils anderen Sinn kompensiert werden.

Dass aktuell ein Großteil der Kinder und Jugendlichen mit Taubblindheit bzw. Hörsehbehinderung nicht an entsprechend spezialisierten Einrichtungen zu finden ist und eben keine spezifischen Angebote erhält, verdeutlicht umso stärker, dass unsere Gesellschaft im Umgang mit diesen Betroffenen noch am Anfang eines langen Weges steht.

Indem wir diesen Kindern spezifische Angebote und kompetente Kommunikationspartnerinnen und -partner vorenthalten, berauben wir sie ihrer Stimme und damit jeder Möglichkeit auf Selbstbestimmung und Teilhabe, da sie schlichtweg nicht gehört werden.

Was haben meine Ausführungen mit dem christlichen Glauben bzw. der christlichen Botschaft zu tun?

Jesus hat vorgelebt, wie christliche Nächstenliebe aussehen kann und sich dabei v. a. den Menschen zugewendet, die am Rande der Gesellschaft stehen. Wir können diesem Beispiel in unserem täglichen Leben folgen.

Damit wir uns Personenkreisen, die eine Randposition innerhalb unserer Gesellschaft einnehmen, zuwenden können, müssen wir aber zunächst um deren Existenz wissen. Gerade im Bereich kombinierter Hör- und Sehbehinderung fehlt dieses Wissen in weiten Teilen der Gesellschaft noch. Ist es jedoch einmal vorhanden, können wir ein Bewusstsein für Handlungsbedarf entwickeln und Veränderungen anstoßen. Es ist unser aller Aufgabe, auch an die von dieser Behinderung betroffenen Menschen in unserer Gesellschaft zu denken und Ihnen Teilhabe zu ermöglichen.

Herzliche Grüsse

Rafaela Wilhelm

Eine Frau widerspricht Jesus

Mk 7, 24-30 bzw. Mt 15,21-28

In den Evangelien wird immer wieder Protest gegen Jesus laut. Von den Pharisäern und Schriftgelehrten, die seine Lehre nicht teilen. Auch von den Jüngern, wenn sie ihn nicht verstehen. Und dann gibt es bei den Evangelisten Markus (Kapitel 7) und Matthäus (Kapitel 15) eine heidnische Frau, die Jesus widerspricht, weil sie seine Lehre nicht nur teilt, sondern besser zu verstehen scheint als Jesus selbst.

Die Syrophönizierin bittet Jesus um die Heilung ihrer Tochter, die von einem Dämon besessen ist. Jesus ignoriert sie, doch die Frau lässt nicht locker und scheint laut zu werden. Den Jüngern ist das peinlich und sie bitten Jesus, die Frau wegzuschicken, damit Ruhe ist. Und Jesus selbst fertigt die Bittende zunächst in erschreckender Weise ab: „Es ist nicht recht, das Brot den Kindern wegzunehmen und den kleinen Hunden vorzuwerfen.“ Er sieht sich nur zum Haus Israel geschickt.

Ist die Frau beleidigt und zieht von dannen? Mitnichten. Sie greift spontan das von Jesus verwendete Bild auf und wendet es gegen ihn: „Ja, Herr! Aber selbst die kleinen Hunde essen von den Brotkrumen, die vom Tisch ihrer Herren fallen.“ Die Frau scheint Jesus über seine Aufgabe zu belehren – vor allem aber zeigt sie damit einen Glauben, der Jesus zutiefst beeindruckt. „Weil du das gesagt hast, sage ich dir: Geh nach Hause, der Dämon hat deine Tochter verlassen“.

Dieses Motiv – der unerschütterliche Glaube – wiederholt sich an verschiedenen Stellen im Evangelium. „Wenn ihr Glauben habt wie ein Senfkorn [ein winziges Samenkörnchen], dann werdet ihr zu diesem Berg sagen: Rück von hier nach dort! und er wird wegrücken. Nichts wird euch unmöglich sein. (Mt 17,20-21)“.

Glaube und Vertrauen erbittet Jesus von uns. Er weiss genau, dass uns das sehr schwer fällt, manchmal auch unmöglich ist angesichts der Frage „Wie kann Gott das zulassen?“, die uns so oft daran hindert, „zu werden [und zu glauben] wie die Kinder“.

Geben wir auch in schweren Zeiten nicht auf. Vertrauen wir Jesus – erst recht, wenn unser Vertrauen in Menschen oder Institutionen erschüttert wird

Leitartikelgerüst mit Bild

Adventsgesteck
Die St.-Thomas-Kathedrale in Chennai über dem Apostelgrab

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Mehr über die Thomaschristen bei Wikipedia

Grüss Gott, …

… liebe Mitchristen im Pfarrverband!

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  • 1. Adventskerze – Abraham-Kerze, Offenbarungskerze: 2000 Jahre vor Christus hat Gott Abraham erwählt – Hoffnung auf Heil und Erlösung.
  • 2. Adventskerze – Mose-Kerze, Bundeskerze: Um 1200 Jahre vor Christus führt Gott sein Volk durch Mose aus Ägypten, gibt die 10 Gebote und begründet den Alten Bund.
  • 3. Adventskerze – Propheten-Kerze, Verheißungskerze: 800 Jahre vor Christus sagen die Propheten die Ankunft des Messias voraus. „Gott selber wird kommen und sein Volk erlösen“.
  • 4. Adventskerze – Marien-Kerze, Ankunftskerze: Jetzt ist die Zeit. Gott wird Mensch und ist greifbar nahe.
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Anni Schumergruber, Gemeindereferentin