Leitartikel zum Dezember

Weihnachten in Indien

von Pater Nobi Parakkadan

Indisches Weihnachtsmotiv

Ich werde immer wieder gefragt, wie wir uns in meiner Heimat Indien auf Weihnachten vorbereiten. Advent ist bei uns eine Fastenzeit. Die meisten Familien verzichten auf Fisch, Fleisch oder Alkohol, die Kinder auf Schokolade – und alle essen jede Menge Gemüse. Dieses Ritual nennen wir in meiner Muttersprache „Upavasam“, was mit „nebenan oder dabei sein“ übersetzt werden kann.

In der Vorweihnachtszeit versuchen viele Menschen, Gott nahe zu sein. Zu Hause wird jeden Tag der Angelus (der Engel des Herrn brachte Maria die Botschaft und sie empfing vom Heiligen Geist) gebetet. Der Pfarrer motiviert die Kinder zur Kirche zu gehen mit dem Versprechen, dass sie, wenn sie in der Adventszeit, also 25 Tage lang regelmäßig die heilige Messe besuchen, ein Geschenk von ihm bekommen.

Unsere Ministranten verkleiden sich als Nikolaus oder als Josef und Maria und gehen drei Tage vor Weihnachten zu jedem Haus in der Pfarrei. Sie bringen Geschenke und verkünden die frohe Botschaft von Weihnachten. Christkindlmarkt und Glühwein sind bei uns unbekannt. Als innere Vorbereitung wird in der Adventszeit oft gebeichtet.

Weihnachtsbräuche in Indien

Als säkularer Staat dient Indien vielen Religionen als Heimat, und das Christentum ist ein entscheidender Teil dieses kulturell vielfältigen Landes. Den Weihnachtstag feiern Katholiken und Nichtkatholiken mit großer Begeisterung im ganzen Land, besonders aber in den nordöstlichen und südlichen Teilen, wobei sich die Traditionen von Region zu Region unterscheiden.

  • Weihnachtsgottesdienste: Vor allem für Katholiken ist die Mitternachtsmette eine der wichtigsten Zeremonien an Weihnachten. Alle Familienmitglieder, Verwandte und Freunde versammeln sich, um an der Messe teilzunehmen, auf die der Segen der Ältesten folgt, Geschenke ausgetauscht werden und Kuchen (meistens Pflaumenkuchen) gegessen wird.
  • Weihnachtsbaum schmücken: Die Hauptaktivität an Heiligabend stellt das Schmücken eines Baumes dar. Es kann jeder x-beliebige Baum mit Blumen, Lichtern, kleinen Geschenken, Socken usw. geschmückt werden.
  • Snacks und Süßigkeiten: Kein Festival in Indien ist komplett ohne spezielle Snacks und Süßigkeiten. Es werden üblicherweise Ghujias (süße Knödel) oder Rosenkekse für den Weihnachtstag gebacken.
  • Geschenke: Familienangehörige und enge Freunde zu beschenken, ist eine weitere Tradition, die die Menschen in Indien zu Weihnachten pflegen. Einige Eltern verkleiden sich für ihre Kinder als Weihnachtsmann und verteilen Geschenke an sie.
  • Dekoration: Sehr beliebt als Weihnachtsdekoration innerhalb und außerhalb des Hauses sind Papierlaternen und kleine elektrische Lampen. Manch einer beginnt schon früh mit der Planung einer Weihnachtskrippe.
  • Weihnachtsstimmung: Eine der besten Möglichkeiten, in Weihnachtsstimmung zu kommen, ist, einen traditionellen Weihnachtsfruchtkuchen zu kaufen oder zu backen.

Ab dem Weihnachtstag wird in den großen Städten Indiens Party gefeiert, die erst nach der Neujahrsfeier endet. Menschen aus der ganzen Welt, die Indien besuchen, um den Weihnachtstag hier zu feiern, sollten unbedingt bis zum Neujahrsfest bleiben. Auch den Besuch einer Weihnachtsfeier entweder in Kerala oder in der Kirche in Goa sollte man sich nicht entgehen lassen – es ist ein großartiges Ereignis.

Weihnachten in meiner Heimat Kerala

Heiligabend und mehr: Es sind nicht nur das üppig grüne, feuchte Blätterdach über dem Bundesstaat, das fruchtbare Land, das günstige Klima und die unzähligen unberührten Strände an der Küste des Arabischen Meeres, die zu der Bezeichnung „Gottes eigenes Land“ für Kerala geführt haben. Kerala ist auch die Heimat unzähliger Kultstätten und zahlreicher Götter und ihrer Anhänger. Die friedliche Koexistenz verschiedener Religionen auf so kleinem Raum macht Kerala zu diesem besonderen Land Gottes.

Wie Onam, ein überwiegend hinduistisches Fest, das von allen Keraliten gefeiert wird, überschreiten Weihnachtsfeiern in Kerala religiöse Grenzen. Diese einzigartige interreligiöse Weite ist vielleicht das charakteristischste Merkmal von Kerala. Weihnachten ist das Fest der universellen Liebe und wird voller Freude gefeiert. Jedes Haus/Büro wird vom 1. bis zum 31. Dezember mit einem Weihnachtsstern aus Papier/Plastik dekoriert. Zudem nehmen sich die Menschen Zeit, um Krippen in ihren Häusern, Restaurants und Kirchen aufzustellen.

Hier nun einige Elemente der keralitischen Weihnachtstradition:

  • Pflaumenkuchen: Selbstgemachter Pflaumenkuchen wird während der Weihnachtszeit in ganz Kerala gebacken und verkauft. Rosinen und Trockenfrüchte, eingeweicht in Alkohol wie Wein, Rum oder Brandy sind eine Hauptzutat – ein nahezu „himmlisches“ Erlebnis für alle, die christliche Haushalte besuchen.
  • Weihnachtsgruppen: Während der Weihnachtszeit erwacht Kerala mit einer Vielzahl von Gruppen, die Weihnachtslieder singend Häuser in ihrer Umgebung besuchen, zum Leben. Während seitens der Kirchen Besuche in den Häusern der Gemeindemitglieder durchgeführt werden, organisieren örtliche Vereine Weihnachtsgottesdienste und besuchen Menschen unabhängig von ihrer religiösen Zugehörigkeit zu Hause.
  • Weihnachts-Appooppan (Weihnachtsmann): Bei den Weihnachtsgruppen ist immer ein „Weihnachts-Appooppan“, der keralische Weihnachtsmann, dabei. Da das Kopieren des Weihnachtsmanns (noch) nicht gegen geistige Eigentumsrechte verstößt, hat Kerala seine eigene Version des Weihnachtsmanns, die als „Weihnachts-Vater“ oder „Weihnachts-Appooppan“ bezeichnet wird.
  • Kirchliche Aktivitäten: Fast alle keralitischen Christen halten die 25-tägige Adventsfastenzeit vor Weihnachten ein. Durch Einschränkungen beim Verzehr von Fleisch und Milchprodukten wollen Christen sich geistlich reinigen, um das Jesuskind zu empfangen. Die Zeit der Abstinenz endet in ganz Kerala mit dem Mitternachtsgottesdienst. Obwohl es keine historischen Erklärungen dafür gibt, dass die Gottesdienste um Mitternacht abgehalten werden, wird angenommen, dass der Mitternachtsgottesdienst an die Verkündigung der Geburt Jesu durch den Engel an die Hirten erinnert. Die jedermann mögliche Teilnahme an einer der Mitternachtsmessen in Kerala stellt für Besucher stets ein eindrucksvolles Erlebnis dar.
  • Schlemmen nach dem Fasten: Fast alle keralitischen Christen halten die 25-tägige Adventsfastenzeit vor Weihnachten ein. Durch Einschränkungen beim Verzehr von Fleisch und Milchprodukten sind Christen verpflichtet, sich geistig zu reinigen, um das Jesuskind zu empfangen. Die Zeit der Abstinenz endet in ganz Kerala mit dem Mitternachtsgottesdienst. Obwohl es keine historischen Erklärungen dafür gibt, dass die Gottesdienste um Mitternacht abgehalten werden, wird angenommen, dass der Mitternachtsgottesdienst an die Verkündigung der Geburt Jesu durch den Engel an die Hirten erinnert. Die jedermann mögliche Teilnahme an einer der Mitternachtsmessen in Kerala stellt für Besucher stets ein eindrucksvolles Erlebnis dar.

Weihnachten ist das wichtigste Fest der Christen, auf das sich in Indien alle Religionen vorbereiten. Weihnachten zu feiern, fördert den Geist der Freude, schafft Fröhlichkeit und lässt die Menschen familiär zusammenkommen.

Auch Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, wünsche ich ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest!

Leitartikel zum November

Kleine Kirche kommt gross raus

3D-Modell der Kirche Meisternthal

Kirche St. Nikolaus Meisternthal in Förderprogramm aufgenommen

Im Jahr 2021 wurde die Kirche St. Nikolaus Meisternthal in das Förderprogramm „Kirchturmdenken“ aufgenommen. Bezuschusst wurde die Erforschung und Darstellung der Baugeschichte des Kirchleins, dessen Ursprünge immerhin ins 13. Jh. zurückreichen.

Nun besteht eine einmalige historische Chance, die Kirche umfassend zu renovieren, vielleicht nicht in einer kurzen Frist, aber der Reihe nach, Abschnitt für Abschnitt.

Info-Nachmittag am Sonntag, 20. November, 15:00 Uhr

Bei dieser Veranstaltung in der Kirche Meisternthal werden die Ergebnisse der wissenschaftlichen Voruntersuchung präsentiert und erläutert. Wenn es uns gelingt, das Interesse der Bevölkerung entsprechend darzustellen, können wir auf weitere Fördergelder hoffen. Kommen Sie also möglichst zahlreich zu diesem und weiteren Terminen in und um das geschichtsträchtige Gotteshaus.

Zum Aufwärmen gibt es Tee und Glühwein mit Gebäck.

Darstellung der Ergebnisse im Internet

Die Ergebnisse der bisherigen Arbeiten werden auf einer eigenen Homepage präsentiert („www“ ist nicht mehr nötig):

Liebe Mitchristen,

Die Segnung der Gräber am Allerheiligentag (Gräbergang) ist Ausdruck unseres Glaubens an die Auferstehung der Toten am jüngsten Tag. Das Gebet verbindet uns mit den Menschen, die vor uns ihren Lebenslauf vollendet haben.

Halten wir also an Allerheiligen und Allerseelen inne und gedenken wir unserer Lieben, im Vertrauen darauf, dass sie am Ende ihres irdischen Lebens in Gottes Hand gefallen sind. Danken wir Gott für diese Menschen, und bitten wir ihn, dass er ihr Leben zur Vollendung führen möge.

Nicht vergessen sollten wir auch, wenn irgend möglich, unseren Verstorbenen zu vergeben, was immer sie an uns gesündigt haben mögen. Das kann im Einzelfall auch schwer sein und nur in kleinen Schritten möglich, aber wir sollten es versuchen. Wir glauben doch an ein Weiterleben und an die Ewigkeit.

Also ist die Versöhnung über den Gräbern keineswegs sinnlos, sondern ein Werk der Barmherzigkeit – nicht nur dem Verstorbenen gegenüber, sondern auch für uns selbst. Und sie mag uns helfen, wenn wir selbst am unvermeidlichen Ende unseres Weges angekommen sind.

Pfarrer Armin Riesinger

Bibelwort

02. November - Allerseelen
Johannes 11, 17-27

Wir hören im Evangelium des Allerseelentages einige Verse, die aus der Erzählung der Auferweckung des Lazarus genommen sind. Von dem Moment der Auferweckung wird nicht berichtet, sondern es geht um den Glauben daran, dass Jesus Tote ins Leben zurückrufen kann.

In den Versen begegnen wir Marta, der – ein wenig klischeehaft gezeichnet – zupackenden, handgreiflichen, praktisch veranlagten Schwester der Maria.

Marta kommt gleich zur Sache: Wenn Jesus da gewesen wäre, hätte er Lazarus heilen können, und auch jetzt ist noch alles möglich. Die erste Reaktion Jesu ist ihr nicht konkret genug: Auferstehung am Jüngsten Tag – okay, doch, wenn Jesus schon mal vor Ort ist: Geht da noch was?

Ich kann Jesus an den Gräbern geliebter Verstorbener nicht leibhaftig begegnen wie Maria und Marta. Auch wird niemand unsere Verstorbenen ins Hier und Jetzt zurückholen. Mir bleibt die Hoffnung auf die Auferstehung.

Doch diese Hoffnung muss in meinem Leben nicht vage und diffus sein, sondern damit kann ich ganz konkret rechnen. Diese Hoffnung darf mein Leben bestimmen, darf mich prägen, sodass sich für mein Leben in aller Trauer, in allem Schmerz, in aller scheinbaren Ausweglosigkeit die Frage stellt: Geht da noch was?

Michael Tillmann, Pfarrbriefdienst